Auf dem Jakobsweg: Camino Inglés

113 km in 8 Tagen zu Fuß durch Nordspanien. Durch die Hitze und im Regen. Allein. Doch nicht ganz: nur in Begleitung von meinem 8 kg schweren Rucksack und meinem Outdoor Pilgerführer „Spanien: Camino Inglés“ von Raimund Joos. Ich pilgerte den kürzesten von allen Jakobswegen, den Camino Inglés: von Ferrol nach Santiago de Compostela.

Es war mein erster Jakobsweg und ganz bestimmt nicht mein letzter. Denn vor meinem geistigen Auge sehe ich mich schon nächstes Jahr den nächsten Jakobsweg abwandern. Vielleicht wird es der portugiesische sein: Porto – Santiago (ca. 255 km).

Denn ich habe die schönen Seiten des Pilgerns erlebt und will sie noch einmal erleben: in der Natur zu sein und sich ihr überlassen, Einsamkeit verspüren, den Tag und den Moment genießen, den Weg höchstens nur von Etappe zu Etappe planen, Menschen unterwegs kennen lernen und sich endlich mal frei von allem machen. Trotz Sonne, Regen, Nebel und Sturm. Trotz Muskelkater im ganzen Körper und Blasen auf den Füßen. Trotz mangelnder Spanischkenntnisse und trotz schlafloser Nächte in den Pilgerherbergen – es war eine faszinierende Wanderung, die ich nun nicht mehr missen möchte.

Alles, was ich bei dieser Reise geplant habe, waren die Anreise und die Abreise. Alles andere war Improvisation. Der ganze Weg war eine reine Improvisation, was diesen Urlaub letztendlich insgesamt ziemlich beindruckend und perfekt machte.

Samstag, 14.09.2019 – TAG DER ANREISE

Ich bin mit Lufthansa von Düsseldorf nach Santiago de Compostela geflogen. Vom Flughafen in Santiago fährt alle 20 Minuten ein Bus Richtung Busbahnhof. Von dort aus fuhr ich weiter mit einem Bus nach Ferrol – zum Startpunkt des Camino Inglés. Diese Fahrt dauerte ca. 1,5 Stunden und kostete ca. 8,- Euro. In Ferrol übernachtete ich dann in einer kleinen hübschen Pension. Natürlich schaute ich mir das Städtchen und seinen berühmten Hafen an. In der ersten Bar bekam ich dann auch meinen ersten Stempel für die Credencial. Nicht weit von der Touristeninformation und vom Hafen entfernt befindet sich der Startpunkt des Jakobsweges, ein grauer Stein mit der Überschrift „Camino de Santiago – Camino Inglés“. Von da aus marschierte ich am nächsten Morgen los.

Tipp: in Ferrol in
einem Supermarkt für den nächsten Morgen etwas zum Frühstück kaufen und sich
für die Nacht und den Tag danach mit Wasser versorgen. In Spanien kann man
leider das Wasser schlecht aus dem Hahn trinken. Es ist chlorreich und schmeckt
ekelhaft. 

Sonntag, 15.09.2019 FERROL – XUBIA (13,2 km)

Ich startete voller Motivation. Nach den ersten 500 Metern blieb ich kurz stehen, um mich erst einmal zu orientieren. Da sprach mich schon ein lieber Einheimischer an und erklärte mir den Weg aus der Stadt. Danach lernte ich noch ganz viele nette und fürsorgliche Spanier/innen kennen, die mir den Weg erklärten, die Supermärkte zeigten, zum Essen einluden oder zum Gottesdienst in die nächste Kirche „mitschleppten“. 🙂

Die erste Etappe war für mich gut zu bewältigen. Der Himmel war wolkenlos, das Wetter sonnig und trocken. Auch landschaftlich war es sehr schön und abwechslungsreich. Nur an das lange schwere Rucksacktragen musste ich mich erst einmal gewöhnen.

In Xubia angekommen, meldete ich in der öffentlichen Herberge an. Diese liegt direkt auf dem Jakobsweg, mit dem Blick aufs Wasser. Sie war sehr sauber und gut gepflegt. Hier lernte ich die anderen Pilger kennen, die wie ich dort übernachteten. Da die Herberge etwas außerhalb der Stadt Xubia liegt, kann man dort leider schlecht einkaufen. Nicht weit von dort befindet sich eine Bar, die u.a. Tortilla, Bier und Wasser verkauft. So kaufte ich etwas Proviant für den Abend und für den Tag danach ein. Beim Snack und Bier saß ich mit den anderen Pilgern draußen, genoss den Sonnenuntergang, schrieb die ersten Notizen in mein Tagebuch und freute mich auf den nächsten Wandertag, ohne zu wissen, was genau er mir bescheren wird.  

Montag, 16.09.2019 XUBIA – PONTEDEUME (15 km)

Nach einer fürchterlichen Nacht mit kaum Schlaf  – die spanischen Pilger unter und neben mir schnarchten dermaßen laut!!! – ging es gegen 07:00 Uhr Morgens nach Pontedeume.

Da mir morgens der Kaffee fehlte, hielt ich unterwegs Ausschau nach einer Bar (Cafés heißen in Spanien oft auch Bars), wo ich einkehren und etwas frühstücken konnte. In der Regel sind sie schon kurz vor 07:00 Uhr auf und sind auf die vorbei laufenden Pilger eingestellt. Der Besuch einer Bar ist sehr empfehlenswert, da man auch dort einen Stempel für den Pilgerausweis erhält.

Tortilla zum Frühstück

Um in die öffentliche Herberge in Pontedeume reinzukommen, muss man vorher im Wehrturm Torreón de Andrade einchecken und für die Übernachtung 5,- Euro bezahlen. Man bekommt den Schlüssel zu dem Schlafsaal und eine Stadtkarte in die Hand gedruckt. Auch hier war die Herberge erstaunlich sauber und mit allem gut ausgestattet. Es gab allerdings keine Küche und nicht reichlich Steckdosen (fast jeder Pilger, den ich unterwegs traff, hatte einen Smartphone dabei).

Öffentliche Herberge in Pontedeume
Mein Bett oben rechts

In der Stadt gibt es viele Cafés und Restaurants, wo man gut und günstig essen kann. Auch hier kaufte ich im Supermarkt um die Ecke für den nächsten Tag Obst und Wasser ein. 

Pontedeume, Galizien
Tipp: entlang des Jakobsweges werden Pilgermenüs angeboten:
Vorspeise – Hauptspeise - Dessert. Es handelt sich um einfache galizische
Gerichte aus Fleisch, Bohnen, Kartoffeln und Kohl, die unglaublich gut
abgeschmeckt sind und einen Pilgermagen richtig satt machen. 

Dienstag, 17.09.2019 PONTEDEUME – MIñO (ca. 10 km)

Nach einer weiteren unruhigen Nacht  – da dachte ich das erste Mal daran, ins Hotel zu gehen – ging es sofort am Anfang 1,6 km 176 Höhenmeter steil bergauf. Ach herje… wie war das noch einmal mit „Der Weg ist das Ziel“ und „den Moment genießen“? Und  ein physisches Gesetzt sagte mir: wo man rauf muss, muss man wieder runter…

Alberge pergrinos – Pilgerherberge

Aber irgendwann mal waren auch diese Kilometer und diese Strecke passiert, und so landete ich in einem hübschen Örtchen namens Miño. Dort suchte ich mir die öffentliche Herberge, packte aus, wusch meine Klamotten, duschte und ging anschließend zum nächsten Supermarkt und dann zur Strandpromenade. Ich habe mir Fish & Chips und leckeres Bier gegönnt mit Blick aufs Meer.

Das Wetter war sehr warm. Die Einheimischen und Touristen plantschten im Meer. Ich dachte an meinen Bikini, der zuhause in Deutschland in einer der Schubladen meines Schlafzimmerschrankes verstaut war. Nach dem Essen gönnte ich mir ein weiteres Bier, nun direkt am Strand. Später ging ich dann in eine Strandbar und gönnte mir ein drittes Bier. 

Als die Sonne runterging und es anfing zu regnen, bin ich zurück zur Herberge gelaufen und müde ins Bett gefallen. Die anderen Pilger/innen in der Herberge mied ich bewusst – so gut es ging – um die Einsamkeit etwas mehr genießen zu können.

Am Abend in einer Strandbar

Mittwoch, 18.09.2019 MIñO – BETANZOS (ca. 10,5 km)

Am Morgen startete ich sehr früh mit Sophie aus Österreich, Peggy, Christian und Claudia aus Deutschland und tierischem Muskelkater in den Waden.

Unterwegs wurde geplaudert, gelacht, gemeinsam Pausen gemacht und alle möglichen Weltprobleme besprochen. Auf dem Weg, entlang der Waldwege fanden wir Proviant, was die Einheimischen den Pilgern zur Verfügung stellen. Es gab Obst, Wasser, Süßigkeiten und sogar Bier. Und so trank ich das erste Mal auf meiner Pilgerreise das Bier bereits morgens gegen 11:00 Uhr. Es war köstlich! 🙂

Wir alle bewunderten Sophie, die mit ihren 21 Jahren während der Semesterferien schon halb Spanien abgelaufen ist und bereits ihren vierten Jakobsweg absolvierte. Wir demonstrierten uns gegenseitig unsere Pilgerausweise und zählten nach einander die Stempeln. Sophie hatte am meisten. Für die Nächte, in denen sie draußen unter den Bäumen in ihrer Hängematte oder am Strand schlief, malte sie eigenständig einen Stempel in ihren Ausweis. Ihre Furchtlosigkeit, Abenteuerlust und ihre Kreativität beindruckten mich am meisten.

Sophies Pilgerausweis

Der Weg war steil, aber wir hatten Spaß und warteten auf einander. Es war toll, wieder mal in einer Gruppe laufen zu können. Kurz vor Betanzos musste ich mich leider von diesen netten Menschen mit „Buen Camino!“ verabschieden: jeder geht dann noch seinen eigenen Weg, weitere Kilometer oder schlägt andere Richtung ein. Irgendwann und irgendwo trifft  man sich bestimmt wieder. Als Pilger läuft man sich ständig weltweit über dem Weg.

An manchen Stellen entlang des Jakobsweges kann man Jakobsmuscheln gegen eine Spende erwerben

Betanzos ist eine tolle Stadt. Ich war sofort hin und weg von diesem steinalten Städtchen.

Santa María do Azougue

Nach einigem Suchen fand ich dann auch die Herberge. Ich war eine der ersten an diesem Tag und hatte fast freie Bettenauswahl. Nach und nach tröpfelten aber auch die anderen rein. Menschen aus allen Herrgottsländern. Und wieder wartete auf mich eine unruhige Nacht. Und wieder entschied ich mich gegen ein Hotel. Ich wollte ja pilgern, keinen Urlaub machen.

Öffentliche Herberge in Betanzos

Aber bevor es ins Bett ging, schaute ich mir erst einmal die Stadt an: gemütlich, mit verwinkelten Gassen, hübschen Kirchen und einem großen zentralen Platz um die Plaza de García, welcher sich nicht weit von der Herberge befand.

Die Besitzer der Herberge kochten in der Pilgerküche für sich und luden mich zu Essen und Kosten ein. Es roch köstlich! Trotzdem lehnte ich dankensweise ab und ging stattdessen zum Essen in die Stadt.

Ein kleiner Tipp am
Rande: Hunger ist ja für die meisten Pilger immer das dringlichste Bedürfnis
nach dem Ankommen, und da gibt´s ab und an Probleme. Entweder man beeilt sich
und isst bis 16:00 Uhr was. Oder man muss warten bis 20:00 Uhr, um was Warmes
zu bekommen. Dazwischen ist S-I-E-S-T-A angesagt. 

Am Abend saß ich in der Herbergsküche zwischen den anderen Pilgern und trank mit ihnen auf den Camino und Weltfrieden. Und auch dieser Abend wurde herzlich, lustig und gesellig. Auch er wird mir lange in Erinnerung bleiben.   

Donnerstag, 19.09.2019 BETANZOS – PRESEDO (12 km)

Der neute Tag versprach wieder mal schönes Wetter. Der Abschied von Betanzos, von der Herberge dort und von ihren Besitzern fiel mir schwer. Mit liebevollem Frühstück, tausend herzlichen Umarmungen, einem väterlichen Lächeln und mindestens zwanzig Selfies lief ich los und hörte hinter meinem Rücken noch mehrmals zurufen: „Buen Camino!“

Abschied von Betanzos am nächsten Morgen

Durch eine wunderschöne Landschaft ging es nach Presedo, ein winzig kleines Dorf mit einer Barockkirche, einem Friedhof, einem Marktplatz, einem Restaurant und einer Pilgerherberge. Sehr ruhig und abgeschieden. Hier war die Welt stehen geblieben. Es war im wahrsten Sinne des Wortes, NICHTS los. Bis zum Abend. Dann ging die Post ab: das ganze Dorf versammelte sich auf dem Marktplatz vor der Kirche. Es gab einen kleinen Markt, einen Gottesdienst und eine Feier zu Ehren der heiligen Schutzpatronin. Da die Pilgerherberge direkt neben der Kirche ist, wurden die Pilger von den Einheimischen in die Messe eingeladen und danach mit allerlei Süßigkeiten versorgt. Obwohl ich Spanisch nicht verstehe, der katholischen Kirche nicht angehöre und überhaupt nicht religiös bin, bin ich trotzdem hingegangen. Der liebevolle Umgang der Nordspanier mit den Pilgern ist echt beeindruckend. Ich fühlte mich wieder herzlich aufgenommen und geborgen, mitten in einer Menge von fremden Menschen. Ich war eine von ihnen. Ich war ein Teil dieser Gemeinschaft.

Hauswand von der Pilgerherberge in Presedo
Oben auf Spanisch: „Europa ist auf der Pilgerschaft entstanden“. Dieses Zitat stammt angeblich von Goethe. Das Pilgerwesen war ein bedeutendes Element zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses so unterschiedlicher Völker wie der Lateiner, Germanen, Kelten, Angelsachsen und Slawen.

Freitag, 20.09.2019 PRESEDO – PUOLO (ca. 24 km)

Es blieben noch ungefähr 50 Kilometer bis nach Santiago.

Bald habe ich es geschafft, dachte ich. Vom Muskelkater war keine Spur mehr. Dafür gab es die ersten Bläschen an den Füßen. Diese musste ich erst einmal verkleben, bevor ich mich der nächsten Herausforderung stellte. Die ersten 2 Kilometer wanderte ich noch relativ eben durch die schöne galizische Landschaft, dann begann bald ein langer Anstieg.

Irgendwann mal kam auch schon die erste Bar, wo ich einen leckeren Kaffee und einen Croissant bestellt habe.

Die Bar hieß „Casa Avelina“. Die Besitzerin der Bar kümmert sich so liebevoll um jeden Pilger, so dass mir schon beim Reinkommen der Rucksack abgenommen, der Stuhl unter den Hintern geschoben und der Hocker, um die Füße hochzulegen, hingestellt wurden. Jeder Pilger, der mit mir in dieser Bar saß, musste sich dann auch in das Gästebuch eintragen. Die Einheimischen hier stehen im Dienste der Anderen, daher nehmen sie auch keine Trinkgelder von den Pilgern.

Avelina, die Besitzerin der Bar und ich

Hier lerne ich Hans Peter aus dem Schwarzwald, Huguette aus Vancouver, die beiden Schwestern Ines und Charlotte aus Leipzig kennen. Hier treffe ich wieder Henriette aus Amsterdam, Sebastian aus Marburg und Jens aus Berlin, die vorhin auch in der Herberge in Presedo übernachtet haben. Nach einer halbstündigen Pause brachen wir gemeinsam auf und liefen Richtung Hospital de Bruma. In Hospital de Bruma trennten sich unsere Wege. Man sieht sich…

Es war noch ziemlich früh, als ich in Hospital de Bruma angekommen bin. Nach einer kurzen Pause entschied ich mich nun, weitere 12 Kilometer zu laufen. Sebastian erzählte mir, dass es in Puolo eine neue großzügige Herberge gibt, wo man auch gut und günstig übernachten könne. Mein Ehrgeiz war geweckt, und so lief ich weitere 3 Stunden durch eine wunderschöne Landschaft.

In Puolo war gefühlsmäßig nur die Herberge. Sonst NICHTS! Keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Kochmöglichkeiten, kein Restaurant! Und der Hunger plagte – nicht nur mich, sondern auch die anderen Pilger. Pilger, die ich schon kannte und darüber glücklich war, sie wieder zu sehen, und Pilger, die ich zum ersten Mal traf. Nach langem Hin und Her bestellten wir uns einen Taxi und fuhren in den Nachbarschaftsort, um einzukaufen (laufen wollte an diesem Tag keiner mehr!). Am Abend gab es Antipasti, Brot und Wein für alle. Ein herrlicher Abend war das! Voller Vertrauen und Geborgenheit. Menschen saßen hundemüde an einem großen runden Tisch zusammen, tranken Wein und unterhielten sich querbeet in allen möglichen Sprachen. Und alle waren mit einander verbunden. Der Camino verband uns.

Samstag, 21.09.2019 PUOLO – SIGÜERO (ca. 13 km)

Es regnete. Ich war müde. Mir fehlte Schlaf. Zudem war ich noch nicht ganz nüchtern vom Vorabend und hatte Kopfschmerzen. So spät war ich noch nie dran. Ich verließ die Herberge als Letzte und trottelte erst einmal langsam den Jakobsweg Richtung Sigüero, die letzte Station vor Santiago.

Je mehr ich Santiago näherte, desto mehr Pilger traf ich unterwegs. Es wurde voller auf den Wegen. Und teuerer. In Sigüero gibt es keine öffentlichen Pilgerherbergen. Alles ist in privater Hand. Daher kosten sie dementsprechend auch mehr. Statt 6,- oder 8,- Euro bezahlt man dort ca. 20-25 Euro pro Nacht. Ich übernachtete in einer gut gepflegten Herberge für 15,- Euro und schlief in einem 6-Bett-Zimmer. Zum ersten Mal wieder mit weißer und gestärkter Bettwäsche, die noch nach Waschpulver roch. Ich war glücklich… Bis ich festgestellte, wer noch alles mit mir in einem Zimmer schlief: der Engländer David – der absolute Rekordbrecher im Schnarchen – und eine Spanierin (den Namen erfragte ich nicht), die mit Fieber und Husten bereits um 16:00 Uhr im Bett lag. Der Gedanke, in Santiago krank anzukommen, gefiel mir überhaupt nicht. Und so entschied ich mich bis in den späten Abend draußen oder in einer Bar zu verbleiben und nur für die Nacht kurz ins Bett zu schlüpfen. Das hätte ich auch sein lassen können. Dank David machte ich kein Auge zu.

Sonntag, 22.09.2019 SIGÜERO – SANTIAGO (15,6 km)

Es war so weit. Die letzte Etappe.

15, 985 km bis Santiago de Compostela

Ich wurde trotz meiner Befürchtung nicht krank, was mich sehr freute. Ich verließ die Herberge kurz vor 7:30 Uhr, während David immer noch tief schlief und schnarchte. „Buen Camino, my friend!“ dachte ich und ging hinaus. Zuerst lief ich durch einige weit gestreute Ortschaften und Siedlungen. Danach führte mich der Weg durch eine überraschend schöne und ruhige Naturlandschaft.

Zum ersten Mal dachte ich daran, dass ich eigentlich noch gar nicht ankommen möchte. Nach neun Pilgertagen war ich in so einem Rhythmus, dass ich ihn nicht mehr unterbrechen wollte. Ich war im Flow und hätte noch weitere Tage, Monate, Jahre dran hängen können. Je mehr ich daran dachte, desto langsamer lief ich. Aber ich wollte auch nicht trödeln und in Santiago bei Tageslicht ankommen, um vor Ort das Gefühl des Ankommens RICHTIG genießen zu können. So kam es dann auch. Ich lief wieder mal im Regen und kam an der Kathedrale in Santiago nass, aber sehr glücklich und mit Tränen in den Augen an. Es war überwältigend! Man kann es nicht in Worte fassen, was für Gefühle das in einem auslöst. Aber es fühlte sich gut an.

Auch die anderen Pilger, die ich in den letzten neuen Tagen unterwegs traf und kennen lernte, standen bereits auf dem Platz vor der Kathedrale oder trudelten so langsam dort ein. Viele Umarmungen, viele Tränen, viel Lachen und natürlich auch ganz viele Fotos.

Mein Pilgerausweis

3 Gedanken zu „Auf dem Jakobsweg: Camino Inglés“

  1. Ein sehr schöner Bericht von deinem Camino. Bin ihn dieses Jahr auch gelaufen in 6 Etappen. Bin auch völlig unvorbereitet los geflogen und habe auch mich zukommen lassen. Kann viele deiner erfahren genauso bestätigen. Hab ähnliches bzw das gleiche erlebt. Und solche eine Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft hab ich noch nie erlebt. Ebenso kann ich auch jetzt nach Wochen das Gefühl bei der Ankunft am der Kathedrale nicht immer nicht beschreiben bzw in Worte fassen. Es einfach überwältigend. Und nun weiss ich auch das es nicht mein letzter Camino war.

      1. Hallo Olga. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar gering bei so vielen Pilgern und dann muss es noch zur gleichen Zeit sein. Aber es wäre mir ein Vergnügen einen mir dirnzu gehen und Erfahrungen auszutauschen. Lieben Gruß.

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