Wie ich zuckerfrei wurde: Erfahrungen und Anregungen

Ich liebe Herausforderungen. Und ich liebe Projekte. Also habe ich mich im September 2017 entschieden, mindestens 8 Wochen lang auf Zucker komplett zu verzichten.

Ich wollte wissen, ob es stimmt, was die anderen berichten, dass man sich – wenn man sich zuckerfrei ernährt – mental besser fühlt, ausgeglichener ist, keine Heißhungerattacken und mehr Energie hat. Inspiriert wurde ich von vielen Büchern und Artikeln zum Thema “Zuckerfreie Ernährung“. Ich habe mir auch zwei Bücher von Sarah Wilson „Goodbye Zucker“ gekauft, um auch mal was in der Hand zu haben, woran man sich gut orientieren kann.

Und dann, von einem Tag auf den anderen, habe ich angefangen, auf raffinierten Zucker, Glukose und Fruktose zu verzichten. Zugegeben, ich war am Anfang etwas irritiert, da man erst verstehen muss, wo in den Lebensmitteln überall der Zucker versteckt ist. Auf einmal waren meine Einkäufe nicht mehr in einer halben Stunde erledigt, sondern dauerten etwas länger, weil ich jedes Produkt – sei es Brotaufstriche, Wurst, Käse etc. – vor dem Kühlregal genau studiert habe.

Aber der wirklich erste Schritt war meinen „Guten Morgen, Olga – Kaffee“ ohne Zucker zu trinken.

Ich hätte früher nicht gedacht, dass mir der Kaffee irgendwann mal ohne Zucker schmecken würde. Aber heute – ein halbes Jahr später – schmeckt er mir ohne Zucker sogar besser.

Heute kann ich über meine Erfahrungen sprechen und darüber schreiben, deshalb nehme ich dies nun zum Anlass und möchte meine neu gewonnen Kenntnisse mit Euch teilen.

WAS HABE ICH IN DIESER ZEIT GELERNT?

Die größten Zuckermengen, die wir zu uns nehmen, sind in ganz gewöhnlichen Lebensmitteln versteckt, wo wir sie nie vermuten würden, z.B. auch im Weißbrot. Auf den Verpackungen versteckt er sich hinter den exotischsten Begriffen oder durch fehlende Prozentangaben. Zucker wird Produkten zugefügt, damit sie uns besser schmecken. Zucker wirkt im Körper wie eine Droge: je mehr Zucker ein Lebensmittel enthält, desto mehr Hunger haben wir. Also essen wir dementsprechend mehr. Es gibt guten Zucker und es gibt auch bösen Zucker. Der gute Zucker kommt in natürlichen Produkten vor, der böse Zucker wird in verarbeiteten Lebensmitteln versteckt. Der gute Zucker steckt in Tomaten, Karotten, Bananen, Datteln und anderem Obst und Gemüse. Es handelt sich dabei um natürlichen Zucker, auf den man nicht gerne verzichten möchte und den man in gut dosierten Mengen verzehren darf. Bei einer zuckerfreien Ernährung geht es nicht darum, auf Süßes komplett zu verzichten, sondern sich bewusst zu ernähren und die versteckte Süße so weit wie möglich vom Speiseplan zu streichen. Wenn wir eine süße Mahlzeit aus Datteln, Bananen und Rohkakao zubereiten, so kann man sie mit einer Tafel Schokolade aus dem Supermarkt nicht vergleichen. Schokolade und Co. darf ab und zu mal sein, aber das sind absolute Ausnahmen, die bei mir alle vier bis sechs Wochen vorkommen – wenn überhaupt! Bio-Lebensmittel sind nicht automatisch zuckerfrei und gesünder. Also lohnt es sich immer, die Zuckerwerte  abzugleichen und darauf zu achten, welches Produkt wie viel Zucker aufweist. Bei fettarmen Produkten sowie bei vielen veganen Produkten geben die Hersteller oft Zucker hinzu, um fehlenden Geschmack und Textur auszugleichen. Oft sind sie kalorienhaltiger und zuckerhaltiger als „normale“ Lebensmittel. Lieber etwas weniger echte Butter nehmen als die, der mehr Zusatzstoffe zugeführt wurden. Mit dem Verzicht auf Zucker nimmt man automatisch ab. Es ist so zu sagen eine Begleiterscheinung. Durch zuckerfreie Ernährung bleibt der Blutzuckerspiegel stabil, die Bauchspeicheldrüse muss sich weniger anstrengen, es gibt keine Heißhungerattacken mehr, die Schlafqualität verbessert sich und die Müdigkeits- bzw. Erschöpfungszustände verschwinden. Ich bin heute leistungsfähiger und mental klarer, konzentrierter und ausgeglichener. Ich bin irgendwie leichter geworden. Mir fällt es leichter, morgens aufzustehen, und beim Betrachten im Spiegel sehe ich kein aufgedunsenes, verquollenes Gesicht mehr. Ich sehe frischer und wacher aus. Das gefällt mir sehr sehr gut. 🙂 Ja, ich lebe glücklicher und habe eine Menge Lebensqualität dazu gewonnen. Ich kann es nur jedem ans Herz legen: verzichtet auf Zucker, probiert es aus und Ihr werdet feststellen, wie fitter Ihr Euch fühlt.

Die Internetseite Utopia (hier) berichtet über die geheimen Zuckerfallen aus versteckten Zuckern in Lebensmitteln.

ZUCKERFREI IM ALLTAG: meine Tipps

» Wie oben erwähnt, habe ich als Erstes den Zucker in meinem morgendlichen Kaffee gestrichen.

» Dann habe ich alle Küchenschränke vom Süßkram befreit. Auch Kaugummis, denn sie sind nicht wirklich zuckerfrei, auch wenn es auf der Verpackung anders steht.

» Ich kaufe streng nach Plan ein. Dafür schreibe ich mir vorher auf, was ich alles brauche, um das lange Herumschleichen durch die Supermarktregale zu vermeiden und dem Heißhunger grundsätzlich entgegen zu wirken. Beim Einkaufen gehe ich an den Regalen mit Süßkram vorbei, als ob es sie nicht gibt. Heute – nach einem halben Jahr – bleibe ich auch stehen und schaue mir manchmal die Produkte an. Aber ich kaufe sie nicht. Ich habe keinen Hunger auf sie!

» Ich frühstücke immer, auch wenn ich nach dem Aufstehen nicht sofort Hunger habe. Ein Stück Vollkornbrot mit Butter oder Quark ist ein guter Start in den Tag. Es ist gesund und hält lange satt. Auch Müsli ist gut, wenn man es selbst zubereitet hat. Denn in den meisten Müslifertigprodukten ist eine Menge Zucker versteckt, was den Blutzuckerspiegel enorm in die Höhe treibt. Haferflocken, Dinkelflocken in Joghurt oder ungesüßter Milch eingeweicht, ein paar Nüsse und eine in Würfel geschnittene Kiwi oder Banane sind optimal. Ein schönes Rezept wie ein gesundes Frühstück aussehen könnte, habe ich hier veröffentlicht.

» Das Mittagessen wird am besten frisch zubereitet. Wenn ich keine Zeit habe, bereite ich mir meine Mahlzeiten vorher vor. Einen selbst zubereiteten Eintopf oder Auflauf kann man am nächsten Tag kurz aufwärmen und mit frischen Kräutern, Kresse oder Nüssen genießen. Ich persönlich habe mich auf der Arbeit mit allen möglichen Grundzutaten eingerichtet, damit ich jederzeit eine Mahlzeit schnell und unkompliziert zubereiten kann. Das sind Kräutertöpfchen mit Schnittlauch, Basilikum und Petersilie auf der Fensterbank. Das ist eine Flasche Olivenöl und natürlich Salz und Pfeffer. Ich habe immer gutes Vollkornbrot, Butter, Joghurt, Milch und auch selbstgemachtes Müsli da. Ich kaufe zwischendurch mal Tomaten, Paprika oder Avocado, die dann in Scheiben aufs Brot kommen oder als Salat gegessen werden. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. 🙂

» Ich habe mal hier darüber berichtet, dass das Büroleben manchmal in sich hat. Wir naschen einfach viel zu viel. Es gibt Geburtstagstorten, Einstände, Ausstände, Feiern, etc. Bei allem will man selbstverständlich schnell zugreifen, vor allem dann, wenn man unter Stress steht. Aber nicht mehr nach einer zuckerfreien Zeit. Ich bin erstaunt, wie leicht es mir heute fällt, auf die Nascherei zwischendurch zu verzichten und nicht einen einzigen Gedanken dafür zu verschwenden.

» Bei einer zuckerfreien Ernährung sollten die Umgebung und auch Kollegen darüber in Kenntnis gesetzt werden. So kann man Missverständnissen aus dem Weg gehen und es wirkt nicht unhöflich, wenn man den Kuchen der Kollegin mal nicht mitisst. Ich war verwundert, wie viel Beifall ich von meiner Umgebung bekommen habe, nachdem ich erklärt habe, dass ich zurzeit auf Zucker verzichte. Mein Mann hat aufgehört, ständig irgendwelchen Süßkram nachhause mitzubringen und hat mich vorher immer gefragt, ob ich dies oder jenes essen darf. Und was noch interessant war: ich wurde mit Fragen zu meiner Ernährungsumstellung gelöchert, weil die Anderen sich dafür interessierten und sich mit der Thematik „Zuckerfreie Ernährung“ auseinander gesetzt haben.

» Wenn ich im Restaurant mit meinem Mann oder meinen Freunden essen war, fragte ich immer nach weniger zuckerigen Speisen. Ich habe Pommes ohne Ketchup bestellt, anstatt Weißbrot wurde Roggen- oder Vollkornbrot gegessen, die Joghurtsoße wurde durch ein Öl-Dressing ersetzt, anstatt süßer Nachspeise kam eine Käseplatte auf den Tisch, Espresso wurde selbstverstänlich ohne Zucker getrunken, anstatt Weißwein habe ich trockenen Rotwein in kleinen Mengen genoßen. Dazu gab es Wasser. In manchen Fällen trank ich auch Bier. Denn trockener Rotwein und Bier enthalten keine Fruktose. Die Weintrauben im Rotwein werden zu Alkohol fermentiert, sodass er kaum noch Zucker enthält. Der Zucker im Bier ist Malzzucker, den unser Körper gut abbauen kann.

» Essenseinladungen habe ich entgegen genommen, mit dem Hinweis: „Ich esse zuckerfrei, also für mich bitte keinen Nachtisch zubereiten“. Wie gesagt, ich hatte wenig Menschen in meiner Umgebung gehabt, die kein Verständnis dafür hatten.

» Ich habe das Projekt „Zuckerfrei“ als eine Challange gesehen, also sportlich. Ich denke, wäre ich dazu gezwungen gewesen, wäre es mir wohlmöglich schwerer gefallen. Ich weiß es nicht. Aber so hatte ich einfach auch Spaß daran, für mich und meinen Körper etwas Gutes zu tun.

RESÜMEE

Es kostet etwas Zeit, sich mit dem Thema „Zuckerfreier Ernährung“ auseinander zu setzen. Es kostet auch etwas Zeit, auf vorgefertigte Lebensmittel zu verzichten und sein Essen selbst zuzubereiten. Doch es lohnt sich auf jeden Fall. Denn irgendwann wird gesunde Ernährung zur Gewohnheit und Normalität. Wer die ersten 8 Wochen zuckerfrei durchhält, wird mit mehr Energie, einer schöneren Haut und weniger Bauchfett belohnt. Garantiert! 🙂 Auch die Leber, Nieren und das Herz profitieren von der Umstellung der Ernährung und bleiben länger leistungsfähig und gesund. Und die beste Nachricht: Der quälende Heißhunger auf Süßes verschwindet dauerhaft, wenn man ihn nur einmal besiegt habt.

HEUTE

Ich esse alles, und ja, ich sündige auch ab und zu, indem ich ein Stück Schokoladenkuchen zu mir nehme. Das sind aber absolute Ausnahmen. Denn ich habe einfach keinen Verlangen mehr danach. Ich bin nicht mehr süchtig nach Zucker. Ich kann es heute besser steuern, wie ich meinen Zucker zu mir nehme, es gibt keinen Zwang mehr. Ich brauche keinen Zucker mehr, um energievoller und leistungsfähiger zu sein. Mein Geschmackssinn hat sich verändert. Ich schmecke alles viel intensiver. Eine Karotte schmeckt heute süßer als vorher, und nach einer Banane habe ich erst einmal genug vom Süßen. 🙂 Ich esse Obst, aber in gut dosierten Mengen. Den raffinierten Zucken gibt es in meinem Küchenschrank nicht mehr. Es gibt Kokosblütenzucker, Reissirup oder Xylitzucker. Ich experimentiere mehr und lerne immer wieder neue Sachen dazu. Und es macht nach wie vor Spaß, sich damit immer wieder aufs Neue auseinander zu setzen.

In meinem Blog findet Ihr unter anderem auch Rezepte, die ohne raffinierten Zucker zubereitet werden. Alle Rezepte habe ich entweder selbst entwickelt oder aus vielen unterschiedlichen Quellen genommen und nachgekocht. So oder so, habe ich damit gute und im Alltag umsetzbare Erfahrungen gesammelt und kann sie guten Herzens weiter empfehlen.

Habt Ihr auch schon mal eine zuckerfreie Zeit erlebt? Wie sind Eure Erfahrungen? Oder habt Ihr auch vor, Eure Ernährung umzustellen? Was macht Ihr dafür? Lasst es mich wissen, ich freue mich auf Eure Kommentare.

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